Haarrisse stoppen auch Essener Niederflurwagen

15.07.2006

Nicht nur bei den Kasseler 8NGTW fand man letzte Woche Risse in den Drehzapfen der Drehgestelle. Auch bei Essener Niederflurwagen, die ebenfalls von Bombardier Bautzen gebaut wurden, trat dieser Fehler auf. In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung findet sich dazu am 15. Juli 2006 folgender Bericht.

Haarrisse stoppen Niederflurwagen

EVAG muss zwölf Niederflurstraßenbahnwagen aus dem Verkehr ziehen. Die Drehbolzen zwischen Fahrgestell und Aufbau drohen zu brechen. Nach den Ferien gibt es Engpässe im Linienbetrieb.

Die Essener Verkehrs AG hat zwölf ihrer Niederflur-Straßenbahnen aus dem Verkehr gezogen. In der vergangenen Woche wurden alle 34 Fahrzeuge dieser Art in der Werkstatt an der Schweriner Straße untersucht. "An den Drehzapfen zwischen den Drehgestellen und dem Aufbau haben sich Haarrisse gezeigt, es besteht die Gefahr, dass die Bolzen brechen", erklärt Betriebsleiter Gerhard Nimphius.

Genau das war bei einem Wagen der gleichen Bauart in Kassel passiert. "Fahrgästen ist dabei nichts passiert", beruhigt Nimphius. Das Fahrzeug sei "leicht schwammig" gefahren, konnte aber aus eigener Kraft noch die Werkstatt erreichen. Bereits am Samstag vergangener Woche hatte Kassel die EVAG informiert, alle Niederflurwagen wurden daraufhin in die Werkstatt geholt. Außer bei den zwölf stillgelegten Wagen zeigten sich die Haarrisse noch bei 18 weiteren. "Die können wir noch im Betrieb fahren lassen, müssen sie aber regelmäßig überprüfen." An nur vier Wagen haben sich keine Risse an den Drehbolzen gezeigt. Erfahrungen aus Kassel hätten gezeigt, dass sich die Risse "äußerst langsam" vergrößern.

Wann die zwölf stillgelegten Wagen wieder fahren können, ist laut Nimphius unsicher. Seit Samstag arbeitet die EVAG mit Technikern des Herstellers Bombardier und dem TÜV unter Hochdruck an einer Lösung für den Weiterbetrieb. "Wir werden wahrscheinlich als Zwischenlösung die Drehbolzen austauschen, das wird aber fünf bis sechs Wochen dauern", so Nimphius. Denn es stehen nicht ausreichend Geräte für die gleichzeitige Reparatur zur Verfügung. Immerhin müssen auch 18 Wagen in Kassel repariert werden.

"Während der Ferien haben wir keine Probleme im Straßenbahnverkehr", hebt Angebotsplanerin Susanne Köster hervor. Die ausgefallenen Wagen auf den Linien 103, 105, 106 zwischen Aalto-Theater und Bahnhof Altenessen sowie 109 konnten aus der Reserve der EVAG ersetzt werden. Nach den Ferien allerdings wird der Fahrplan wieder dichter. Als erste Maßnahme sollen dann laut Thomas von Daake, Leiter Fahrbetrieb meoline, vier alte M-Wagen reaktiviert werden, die eigentlich verkauft werden sollten. Susanne Köster räumt jedoch ein, dass nach den Ferien für eine Übergangszeit Zusatzfahrten der Linien 105 in Frintrop und 107 in Katernberg ausfallen müssten.

Gefahr für die Fahrgäste in den Niederflurwagen bestehe auf gar keinen Fall, betont EVAG-Sprecher Nils Hoffmann. Sollte wirklich ein Bolzen brechen, ist lediglich Lärm vom Fahrgestell zu hören.

Unsicher ist laut Hoffmann auch, wer für den Schaden aufkommen muss. "Wir gehen jedoch davon aus, dass es der Hersteller sein wird." In den Jahren 1999 bis 2002 hat die EVAG 34 Niederflurwagen des Herstellers Bombardier Transportation in Betrieb genommen. Sie haben in Essen inzwischen rund 400 000 Kilometer pro Fahrzeug zurückgelegt, Insgesamt fahren 120 Fahrzeuge dieser Bauart europaweit. Eingesetzt sind sie außer in Essen und Kassel in Dessau, Schwerin und im polnischen Krakau. Die Fahrzeuge kosten rund zwei Millionen Euro pro Stück.

Die Straßenbahnen fahren alle vier Wochen zur Überprüfung in die Werkstatt. Eine größere Untersuchung findet alle drei bis sechs Monate statt, einmal im Jahr wird der Wagen komplett durchgecheckt. Zudem ist nach 500 000 Kilometern Laufzeit die Hauptuntersuchung fällig. Die jetzt festgestellten Haarrisse können mit bloßem Auge nicht festgestellt werden. Sie müssen mit einem Elektromagneten gesucht werden.

 

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Letzte Änderung: 15.07.2006

©: Dr. Heribert Menzel, Kassel